Samstag, 11. April 2009

Ostern in Oz

Heute ist Ostersamstag -- ohne Fleischweihe und Schinken und ohne Ostereier schon sehr unwirklich, jedoch relaxed und entspannt und guten Mutes haben wir heute das Aussie Osterfest gefeiert -- irgendwie ist das Leben hier unkompliziert und in den letzten Tagen eigentlich nicht wirklich ereignisreich -- ab einem bestimmten Alter sehr zu empfehlen -- gestern haben die Broncos in Sydney gegen die Rosters gewonnen (Rubgy League) und heute die Lions in Brisbane (bei Regen) gegen die Swans (Aussie Rules) -- dass Hengste Haehne zertrampeln und Loewen Schwaene zerreissen ist nicht wirklich unerwartet -- eben erreignislos -- jedenfalls und in diesem Sinne Frohe Ostern:-)

Sonntag, 5. April 2009

Kurzbesuch der Torres Strait Insel-Wunderwelt

Eine meiner ersten Erfahrungen in Australien war die Beobachtung, dass auf allen offiziellen Formularen unter der Rubrik "indigenous" Aborigines und Torres Strait Islander aufscheinen. Cap York, die Nordspitze Australiens wird von PNG (Papua Neuguinea) durch eine sehr seichte (nur 20 Meter tiefe!) Meersstrasse getrennt, die von mehr als 100 kleinen und kleineren Inseln besetzt wird. Diese Meeresstrasse wird als Torres Strait und ihre Bewohner als Torres Strait Islander bezeichnet. So gut, so langweilig. Fast alle dieser Inseln sind Teil von Australien und die noerdlichste liegt nur 1 Kilometer suedlich von PGN. Nur wenige dieser Inseln sind bewohnt und davon auch nur ein Teil fuer die Allgemeinheit zugaenglich. Rob Miller, Dermatologe aus Townville, besucht seit nahezu 10 Jahren Thursday Island 4mal im Jahr und auf mein flehentliches Bitten hat er sich erweichen lassen und Zoja und mich auf eine seiner 'outreach Visiten" eingeladen. TI alleine ist schon sensationell, aber Murray Island ist einfach unglaublich. Am oestlichen Rande der Inselgruppe gelegen wird die kleine Insel von einer community von ca 400 Islandern bewohnt. "Weisse" duerfen nur mit spezieller Genehmigung auf die Insel; die communtiy ist also wirklich wirklich authentisch. Das Paradies mit Worten zu beschreiben "masse" ich mir nicht an und meine Beschreibung wuerde der unberuehrten Schoenheit von Murray Island und seiner Satelliteninseln nicht gerecht werden. Daher unterlasse ich dies (komme mir vor wie der Barde bei Asterix und Obelix). Im Gegensatz zur Torres Strait Inselwelt ist Weipa, die Welt-Bauxit-Metropole, an der westlichen Flanke von Cap York gelegen, nicht wirklich eine Reise wert. Ausser fuer Fischer und Barramundi-Fans. Aber davon ein anderes Mal.

Montag, 30. März 2009

BbB oder Back beim Blogen

Nach langen schreiblosen (oder besser bloglosen) Monaten habe ich mich entschlossen meine Abenteuer oder, vielleicht weniger pathetisch, mein alltaegliches Leben hier in Brisbane (Brizzie; Brisvegas) wieder niederzuschreiben. Die dazu notwendigen Handwerkzeuge sind ja immer einfacher verfuegbar und ich verwende nun ein Add-ons meines Firefox-Browers mit dem sinnigen Namen "Scribefire" -- see http://www.scribefire.com/ -- fuer die nicht so Anglophilen-Leser "Schreibfeuer". Einfacher geht es nicht mehr -- F8 druecken und zum Schreiben beginnen. Naja, "Scribefire" nervt mich ziemlich beim Publishen -- scheine immer wieder zu scheitern.
Heute frueh bin ich mit LH135 von Auckland nach Brizzie geflogen und dann am Nachmittag in die Arbeit gefahren und habe dort mit meinen "registrars" gearbeitet. Aber ueber die Feinheiten der Dermatologie in Oz ein anderes Mal.
Die Tage in NZ -- dem Land der weissen Wolken -- waren schoen und unbeschwert und gluecklich. Um es auf den Punkt zu bringen, wenn es Neuseeland nicht geben wuerde, muesste man/frau es erfinden. Die Landschaft, die Landschaft, die Landschaft ist einzigartig, einzigartig, einzigartig. Und inzwischen merke ich auch schon den Unterschied zwischen Aussie English und Kiwi English -- seeeven -- die Kiwis ziehen das eee sensationell:-) Und uebrigens -- am Hot Water Beach haben wir 2 oesterreichische backpacker(innen) getroffen -- und wirklich am Ende der Welt -- an der noerdlichen Ostkueste der Coromandel-Halbinsel mitten im Suedpazifik haben die zwei (!) genialerweise erkannt, dass ich German mit kaernterischem Einschlag spreche. No further comment.

Donnerstag, 24. Jänner 2008

Dermatologie ohne Grenzen

Nach 6 Monaten einschlaegiger beruflicher Erfahrung am Princess Alexandra Hospital, dem zweitgroessten Lehrkrankenhaus der University of Queensland, in Brisbane/Queensland ist festzuhalten, dass in einer scheinbar grenzenlosen Welt doch einige wesentliche Unterschiede zum mitteleuropaeischen Standard bestehen. Das australische Gesundheitssystem mit seinem beschraenkten oeffentlichen Zugang, die vom Australasian College of Dermatology eng kontrollierte Ausbildung der DermatologInnen, und das nahezu vollstaendige Fehlen einer akademischen Dermatologie bei gleichzeitiger Praesenz einer hochkaraetigen Grundlagenforschung am Biosystem Haut repraesentieren einen ungewohnten und zugleich spannenden gesundheitspolitischen, standespolitischen und hochschulpolitischen Zugang. Und das Spektrum der Dermatologie ist ein voellig anderes. Fuer mitteleuropaische Verhaeltnisse nicht nachvollziehbar wird der dermatologische Alltag hier ueberschattet von massiv ausgepraegten UV-Schaedigungen der Haut mit einer Unzahl von Hautkarzinomen und Melanomen. Das faszinierende Spektrum klassischer Dermatosen wird dadurch in den Hintergrund gedraengt, erscheint dezimiert und ist weniger bunt. Die in unseren Breiten seit Jahrzehnten gelebte und breit etablierte Spezialisierung der Dermatologie steckt in „down under“ noch in den Kinderschuhen. Auch Teledermatologie ist, trotz der nahezu unendlichen Weiten des Landes, noch nicht ansatzweise implementiert. Die Moeglichkeiten zum Lehren, Forschen und zur aerztlichen Taetigkeit auf dem Gebiet der Dermatologie sind jedenfalls grenzenlos.

Freitag, 7. Dezember 2007

Oesterreich im Suedpazifik

Nach der nun schon fast verjaehrten Australientour ging es letzte Woche fuer einige Tage mit Zoja und Niko, also dem kompletten Down Under-Team, in die oesterreichische Natur-Enklave im Suedpazifik. Schneebedeckte Berge, tiefblaue Seen, glasklare Luft, Tourismuszentrierung mit nicht zu professioneller Freundlichkeit – da koennen sogar die Tiroler noch was lernen -- und nicht zu vergessen ein ewig blauer Himmel. Mit einem Wort so denken und wuenschen wir uns Oesterreich und auch die Vegetation erinnert das botanisch ungebildete Dermatologenauge an unsere Alpenheimat. Und Sie benutzen sogar den Namen „Alps“ fuer Ihre Berge; das oestereichische Patentamt scheint versagt zu haben, zumal Sie sogar einen Gletscher despektierlich nach dem vorletzten Monarchen aus dem Geschlechte der Habsburger benannt haben. Aber es gibt doch einige Unterschiede zum wahren Alpenreich wie zum Beispiel 10mal mehr Schafe als Menschen – die Aussies lachen sich regelmaessig halbtot darueber – ja, wir koennen beruhigt sein; uns bleiben 80 Millionen Schafe erspart. Und was bei uns Karl Schranz, Franz Klammer und Hermann Maier an nationalem Stolz induziert haben ist marginal gegen den Mythos und die Legende der ALL BLACKS – ja, wir ungebildeten Mitteleuropaer denken vielleicht an das beruehmte schwarze Loch oder an eine Suedseesekte und nicht im geringsten daran, dass es sich bei den ALL BLACKS um DIE Rugby-Goetter handelt. Aehnlich wie die Selecao (die von Gott gesandten Brasilianischen Fussballer) lieben es die All BLACKS bei Weltmeisterschaften gegen Frankreich zu verlieren und eine Nation sprichwoertlich in die Depression zu treiben. Ob auch die 40Millionen Schafe (es gibt ja nur 4 Millionen Einwohner und jaehrlich wandert 1% unverstaendlicherweise ins schwuele Queensland aus) an der Rugby-induzierten Depression teilnahmen ist nicht bekannt. Aber nun zu den absoluten Highlights unseres Besuches – der Fahrt mit dem Shotover Jet Boat am gleichnamigen Shotover River – um es auf den Punkt zu bringen – nicht einmal Fliegen ist schoener und Niko hat im jugendlichen Uebermut das Vergnuegen doppelt genossen. Trockenschlittenfahrt mit unnachahmbar schoenem Panorama und unendliche Gelassenheit sowie ozonloch-bedingte Gesichtssonnenbraende runden einen einzigartigen Ausflugstag nach Koeniginsstadt (auf neuenglisch Queenstown) ab und lassen den Abschied zu schwer fallen. Aber es tut gut zu wissen, dass nahe bei down under eine Schwester-Insel mit Meer umspuelten schneebedeckten Bergen und bootlosen Seen fuer die naechsten Jahrhunderte auf uns wartet.

Mittwoch, 21. November 2007

Australien-Tour, 2. Akt

Von Kowanayama gings dann nach getaner Arbeit und vor Sonnenuntergang in einem 20-minuetigen Flug nach Pormpurrah – richtige Schreibweise nicht garantiert – einer etwas noerdlich direkt am Carpentaria Golf gelegenen Community. Kurz vor dem Dunkelwerden gabs dann noch einen sinnlosen Fischfangversuch – die beruehmten und angeblich allgegenwaertigen Barramundis wollten einfach nicht beissen. Im uebrigen gab es angeblich im Carpentaria Golf noch nie eine Hai-Attacke auf einen vereinsamten Schwimmer. Einheimische Experten fuehren dies auf die allgegenwaertigen „Crocs“ zurueck. Nach einer mehr oder weniger gelungenen Nacht war dann am Tage wieder „Medizin“ angesagt und nach der Arbeit gings dann im Fluge (keine 2 Stunden) nach Cairns, wo ein hervorragendes Gasthaus-Abendessen auf uns wartete – der Restaurant-Besitzer heissst Schreiber und kam vor 18 Jahren aus Hannover. Hoffentlich kein Omen. Am Mittwoch dann Rueckflug nach Brisbane und schon Donnerstags in der Frueh gings es quer durch den Kontinent nach Perth, der Hauptstadt Westaustraliens. WW in WA – wirklich wunderschoen in Westaustralien kann ich nur sagen. Der Swan-River, der wie ein grosser See imponiert, beherrscht die Stadt. Und vor lauter Gruen sieht man kaum die wenigen Hochhaeuser. Am Morgen bin ich dann – einfach weils so schoen war – ueber eine Stunde lang mit meinem kleinen Rucksack berucksackt entlang des Swan zum Kongress geschlendert. Nach getaner Kongress-Arbeit gings dann zum Flughafen und Freitag knapp vor Geisterstund war ich wieder in Brisbane. Also, in 14 Tagen – Brisbane – Sydney – Melbourne – Cairns – Cap York und Perth – wenn ich noch fleissig trainiere kann ich es bald mit Jules Verne aufnehmen.

Mittwoch, 14. November 2007

Australien-Tour, 1. Akt

In den letzten zehn Tagen gings kreuz und quer durch den Kontinent. Zuerst ein Wochenende in Sydney mit der „Above the Earth“ Foto-Roadshow von Yann Arthus-Bertrand und dem Taronga-Zoo mit Blick auf die monumentale, immer noch weisse, Spitzhauben-gekroente Oper. Am Montag Besuch der Dermatologie im Liverpool Hospital im gleichnamigen Sydney-Suburb, Donnerstag und Freitag dann ein Kurzbesuch in Melbourne/Victoria mit einigen intensiven Dermatologiestunden am St. Vincent-Hospital. Very european kann ich nur sagen und das Wetter verhielt sich lehrbuchgemaess; am Vormittag blauer Himmel und am Nachmittag Regen und Gewitter. Samstag gleich in der Frueh gings dann nach Cairns in den Norden von Queensland und weiter mit einem kleinen Linienflugzeug nach Weipa, an der Westspitze von Cap York am Carpentaria Golf. Hier gibt es nicht nur der Welt groesste Aluminium-Mine sondern auch ein wenig besuchtes Barramundi-Fischrevier erster Ordnung. Die Schwuele mit an die 40 Grad Celsius alleine erklaert nicht die geringe Besucherdichte; wer Weipa am eigenen Leib erlebt hat weiss Bescheid. Am Sonntag, nach einem 5km Morgenlauf durch den Ort, gings dann nach Mapoon, einer Aborigines Community im Muendungsdelta des Wenlock-Rivers. Auf einmal wird Weipa zur Metropole und ich glaube die Bedeutung dieser Drehscheibe der westlichen Cap York Region zu erkennen. Nach einer Nacht in Cairns mit Blick auf den Ozean gings dann heute Frueh weiter nach Kowanyama ebenfalls am Carpentaria Golf, 20 km landeinwaerts gelegen. Eingebettet in eine Gruppe von Paediatern, Internisten und Praktischen Aerzten und, der Creme della Creme, einem Royal Australian Flying Doctor wird mir der Stellenwert der Outback Dermatologie, um nicht den Fachausdruck Outreach Dermatology zu verwenden, schnell klar. Aber, wie heisst es so schoen, Einsicht ist aller Weisheit Anfang.